Premierminister Boris Johnson will Großbritannien zum „Saudi-Arabien“ der Windenergie machen.

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Windenergie mit Offshore Windkraft

Großbritannien will wieder an die Weltspitze, und zumindest bei den erneuerbaren Energien könnte das klappen. Premierminister Boris Johnson will sein Land zum „Saudi-Arabien der Windenergie“ machen und die installierte Kapazität in den nächsten zehn Jahren verzehnfachen. Über 60.000 neue Jobs sollen entstehen.

Boris Johnson nennt Saudi-Arabien als Vergleich, weil das Land so viel Erdöl produziert wie kein anderes Land der Welt. Damit dasselbe auch bei britischem Windstrom klappt, will die britische Regierung 160 Millionen Pfund bereitstellen, umgerechnet 176 Millionen Euro. Damit sollen Fabriken modernisiert werden, um Windkraftanlagen herzustellen. Häfen sollen ebenfalls umgebaut werden, damit die riesigen Rotorblätter aufs Meer hinaus transportiert werden können.

Bis 2040 will Großbritannien 40 Gigawatt Strom mit Offshore-Windkraft erzeugen, theoretisch genug, um die gesamte Insel zu versorgen. Der Premierminister hofft auf 60.000 neue Jobs – eine willkommene Ankündigung für das Land, dessen Wirtschaft am Boden liegt. Die Ankündigung ist der erste Teil eines 10-Punkte-Plans, mit dem die Regierung Johnson eine „grüne Industrierevolution“ anstoßen will. Der Plan soll Großbritannien in eine emissionsfreie Zukunft führen. Die weiteren Punkte will der Premierminister zu einem späteren Zeitpunkt bekannt geben.

Großbritannien muss aufs Tempo drücken

Es bleibt zu hoffen, dass die britische Regierung ihren Worten Taten folgen lässt und diese Chance nutzt. Die Tageszeitung Guardian rechnet vor, dass bis 2030 rechnerisch an jedem einzelnen Wochentag eine neue Windkraftanlage installiert werden muss, damit das Ziel erreicht wird. Außerdem muss die Privatwirtschaft 50 Milliarden Pfund investieren, gut 55 Milliarden Euro.

Die Pläne sind ehrgeizig, aber nicht unmöglich zu erreichen. Schon heute hat Großbritannien mit 10 Gigawatt weltweit die meiste installierte Offshore-Windkapazität. In den letzten Jahren ist Windkraft für Investoren viel attraktiver geworden. Es locken sinkende Kosten, garantierte Erträge und die wachsende politische Unterstützung. Die britische Regierung muss allerdings aufs Tempo drücken und viel mehr und größere Windkraft-Projekte ausschreiben als bisher. Eine im nächsten Jahr geplante Ausschreibung enthält zum ersten Mal seit vier Jahren wieder Wind- und Solarprojekte.

So will Großbritannien klimaneutral werden

Neben dem massiven Ausbau der Windenergie stehen Investitionen in grünen Wasserstoff auf der Agenda des britischen Premiers. Großbritannien könnte außerdem die Deadline für die Zulassung neuer Benzin- und Dieselautos auf 2030 vorverlegen. Auf dem Weg zu einer klimaneutralen Energieerzeugung will Großbritannien zudem weiter an der Kernkraft festhalten. In dem Land sind noch 15 Atomreaktoren am Netz, die fast 20 Prozent des britischen Stroms erzeugen. Nach dem Willen des Premiers soll das auch so bleiben. Auch CCS ist Teil des Plans: Bei der „Carbon Capture and Storage“-Technologie wird Kohlenstoff abgeschieden und in unterirdischen Lagerstätten gespeichert. Hier soll Großbritannien ebenfalls eine Führungsrolle einnehmen.

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